Bürgerdialog und Bürgerfragestunde: Erstes Fazit

Der Bürgerdialog am 14.12.2016

Die von der Hochbahn vorgetragenen Argumentationsketten sind leider nicht schlüssig und zeigen uns, dass die bisherige Planung an Kriterien festgemacht wird, die aus unserer Sicht keiner verkehrlichen und stadtplanerischen Notwendigkeit standhalten. Das vorgebrachte Hauptkriterium, die Anbindung an die Hochtief-Zentrale und die damit verbundenen Arbeitsplätze, ist ein Kriterium, das auf keinen Fall ein derartiges Großprojekt mit den damit verbundenen Kosten und vor allem Beeinträchtigungen von Mensch und Umwelt rechtfertigt. Wer hat wann dieses Kriterium aus welchem Grund festgelegt?

„Workshop“ der Hochbahn am 15.12.2016
„Workshop“ der Hochbahn am 14.12.2016

Vorgestern hat die Hochbahn uns versprochen, dass die Station Langenfort weiterhin in Ihrem Prüfraster vorhanden ist. Das Hamburger Abendblatt hat uns am nächsten Morgen allerdings eines Besseren belehrt. Aufgrund der uns vorliegenden Datenlage stellt sich die Neuerschließung einer Station Langenfort auch nicht schlechter dar als die Neuerschließungszahlen im Hartzloh – anders als von der Hochbahn beschrieben. Dieses haben wir bereits vor längerer Zeit grafisch dokumentiert. Die Station Langenfort wird jetzt von der Hochbahn aus dem Prüfszenario gestrichen, da die Trasse zu lang wäre (Kostenargument).

Die Hochbahn prüft eine Station Rümkerstraße mit einem Trassenverlauf zum Rübenkamp, der weit von einer menschen- und umweltschonenden Umsetzung entfernt ist. Es werden diverse Gebäude auf beiden Seiten der Fuhlsbüttler Straße unterquert. Wie realistisch ist da die Umsetzung? Ganz ehrlich, wir glauben, dass es sich hier um eine Variante handelt, die sowieso nicht umgesetzt werden soll.

Hartzloh-West wurde bereits am 19.09. von der Hochbahn definitiv ausgeschlossen, da der Kurvenradius „wahrscheinlich“ zu eng sei und Hartzloh-West vor allem zu nah an der S-Bahn liegt. Was hat sich jetzt geändert, dass diese Station doch geprüft wird? Auch hier denken wir Stand heute, dass die Umsetzung sowieso nicht gewollt ist.

Hartzlohplatz liegt direkt am denkmalgeschützten Ensemble vor der Kirche St. Gabriel. Wie realistisch ist an dieser Stelle die Umsetzung? Wir wiederholen uns, aber auch hier denken wir, dass die Umsetzung sowieso nicht gewollt ist.

Das alles zeigt uns, dass neben dem oben beschriebenen Kriterium hauptsächlich unter Kostenaspekten geprüft wird. Das zeigt uns leider, dass im Grunde planerisch an der bisherigen Trassenführung und den Haltestellenlagen im Hartzloh und im Rübenkamp festgehalten wird.

Dieses bedauern wir natürlich, es bestärkt uns aber in unserem Tun zu eruieren, warum dieses so ist.

Wir arbeiten als Bürgerinitiative für einen lebenswerten Hartzloh und ein lebenswertes Barmbek weiter an einer sinnvollen möglichst menschen- und umweltschonenden Planung der U5 Ost über den gesamten Streckenverlauf. Betonung auf gesamt.

Bezirksversammlung am 15.12.2016

Auf der Bezirksversammlung am 15.12.2016 haben wir Fragen gestellt und sachlich fundierte, bürgerorientierte Antworten erwartet. Leider mussten wir feststellen, dass bereits im Vorfeld gestellte Fragen an den Bezirksamtsleiter bisher leider nicht und die vor Ort gestellten Fragen mit dem Hauptargument beantwortet wurden, dass wir als betroffene Bürger doch bitte das Gemeinwohl im Sinn haben sollen. Dazu halten wir fest, dass wir als Betroffene und Nicht-Betroffene hier in Barmbek-Nord sehr wohl das Gemeinwohl im Fokus haben. Wir ermutigen alle, sich unsere bisherigen Veröffentlichungen und Statements genau anzuschauen. Diese sind selbst erklärend. Uns geht es gerade nicht nur um Eigennutz, den „eigenen Vorgarten“, das Eigentum und die realistische Existenzbedrohung von uns und unseren Kindern, sondern es geht vor allem um den Schutz von Mensch und Umwelt in der Gesamtbetrachtung. Es geht um die sachlich fundierte sinnvolle Planung städtebaulicher Großprojekte! Sachliche Argumente zählen mehr als Populismus oder Süffisanz! Diese Argumente finden Sie auf unserer Homepage und den mittlerweile zahlreichen Veröffentlichungen!

Politische Eigeninteressen sind selbstverständlich – hier gibt es ganze Theorien im Rahmen der politischen Ökonomie. Diese politischen Eigeninteressen (z.B. persönliche Karriereambitionen, Prestige- oder Machtdenken, Lobbyismus etc.) werfen wir keinem Politiker vor. Das wäre lebensfremd. Aber: Wir erwarten, dass der Auftraggeber dieses Großprojektes (Senat und BWVI) als auch das ausführende Unternehmen (Hochbahn) uns Bürger mit gleichem Maß messen. Dass nicht zu tun, wäre ebenso lebensfremd.

Dient die U5 in der jetzigen Planung dem Allgemeinwohl?

Dient die U5-Ost dem Allgemeinwohl, wenn über Jahre ein Stadtteil inkl. öffentlicher Spielplätze und Wochenmarkt zerstört wird?

Dient die U5-Ost dem Allgemeinwohl, wenn die Fuhlsbüttler Straße wieder zur Großbaustelle mutiert, weil eine Verlegung aufgrund der Haltestellenlage notwendig wird?

Dient die U5-Ost dem Allgemeinwohl, wenn der Busverkehr der Linie 7 und Linie 172 Richtung Barmbek ausgedünnt wird und viele Menschen dadurch benachteiligt werden, die zum Barmbeker Bahnhof, zur Mundsburg, zur Lübecker Str. oder zum Berliner Tor müssen?

Dient die U5-Ost dem Allgemeinwohl, wenn die Zielsetzung der Anbindung der Hochtief-Mitarbeiter über das Ziel einer sinnvollen und möglichst menschen- und umweltschonenden Weiterentwicklung des ÖPNV gestellt wird?

Dient die U5-Ost dem Allgemeinwohl, wenn die Durchsetzung persönlicher politischer Interessen über die sinnvolle und möglichst menschen- und umweltschonende Stadtentwicklung gestellt wird?

Dient die U5-Ost dem Allgemeinwohl, wenn ein erheblicher Kostenaufwand in Millionenhöhe für Hamburg dadurch entsteht, dass die U5 mit einem millionenschweren Schlenker über Barmbek-Nord an einer Stelle geführt wird, die optimal durch den ÖPNV erschlossen ist (Linie 7, 172, 39, S-Bahn Alte Wöhr, S-Bahn Rübenkamp) und Gebiete in Barmbek-Nord im nord-östlichen Teil komplett vernachlässigt werden?

Fazit

Hier geht es überhaupt nicht darum, dass „niemand so ein Projekt in seinem Vorgarten haben will“ – mit Betonung auf niemand! Derjenige, der so etwas sagt, muss wirklich davon überzeugt sein, dass die Umsetzung der U5 eine Katastrophe für alle Beteiligten vor Ort wird. Wenn die Verantwortlichen davon überzeugt wären, dass die Umsetzung der U5 in Barmbek-Nord ohne desaströse Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Gebäudestrukturen möglich wäre, dann würden die Verantwortlichen sagen: „Wir – mit Betonung auf wir ! – würden voller Überzeugung unsere Vorgärten zur Verfügung stellen, damit diese U-Bahn dort gebaut werden kann !!“

9 Gedanken zu „Bürgerdialog und Bürgerfragestunde: Erstes Fazit“

  1. Ergänzung in eigener Sache: Beim Bürgerdialog in der Helmuth-Hübener-Schule waren 300 Menschen (!!), die mit diskutiert haben. Ein toller Erfolg und ein großes Dankeschön an alle, die sich für unser Viertel stark gemacht haben! Das muss einfach gesagt werden ! In Barmbek wohnen ganz ganz tolle Menschen !!

  2. Passend zum Thema: Heute morgen hat mich meine Tochter (11 Jahre) gefragt: „Mama, wem nützt die Station Hartzloh?“
    Tja, wir warten seit ca. 1 Jahr auf schlüssige Antworten von der Hochbahn und dem BWVI – mal hiess es, Neuererschließung, dann wieder Netzwirkung und nun heisst das Schlagwort: Anbindung der Fuhlsbüttler Straße.
    Also, liebe Hochbahn, wem nützt diese Station? Wer hat wann und warum entschieden, dass im Hartzloh gebaut werden soll?

  3. Diese Riesenkurve der geplanten U5-strecke über Barmbek Nord ist doch
    mit einer Haltestelle in diesem Gebiet viel zu teuer und unattraktiv.-
    Der Hochbahn solte man empfehlen mindestens „drei“ Haltestellen
    auf dieser Stecke zu bauen: Hartzloh West,Gartengebiet Schmachthagen
    und Schwarzer Weg.Das währe dann wegen der hohen Streckenkosten
    effektiver,obwohl dann die Gesamtbaukosten sich mindestens verdreifachen würden. – Dies ist mein ironischer Kommentar!

  4. Was ich nur nicht verstehe: die Lage in der Rümkerstraße wurde der Hochbahn doch mal von der Initiave vorgeschlagen. Ich habe mir dazu nochmal das Flugblatt von der Initiative angeschaut von der Veranstaltung im Herbst angeschaut. Wenn die Hochbahn das nun prüft, ist das wieder schlecht? Ich war auf beiden Veranstaltungen und habe mitgenommen, dass es a) irgendwie Zeitdruck gibt und b) trotzdem geprüft wird. Die Erklärung, warum was raus ist, fand ich schlüssig. Dass Langenfort zu nah an der Habichtstraße liegt, weiß jeder der die Haltestelle in der Nachbarschaft nutzt. Ich fand die Lage am Hartzlohplatz am besten. Meine Meinung.

    1. Die Vorschläge auf dem Flugblatt vom 19. September stammten von mir, die BI hat sich erst später gegründet. Die Vorschläge sollten der Hochbahn aufzeigen, dass es andere mögliche Standorte in Barmbek gibt, die deutlich mehr Platz zum bauen bieten. Die Hochbahn hätte von sich aus keine Alternativen gesucht. Das kurz zur Klarstellung vorweg.

      Bei der Vorstellung der Rümkerstraße durch die Hochbahn kritisieren wir nicht den Standort, sondern die gezeigte Trassierung – einmal quer unter den Wohngebieten durch. Hierfür müssen sehr viele Unterfahrrechte eingeholt und Prozesse gewonnen werden. Wenn dies als Argument gegen diesen Standort aufgeführt wird, verschwindet er ganz schnell in der Schublade. Unser Vorschlag geht von einer etwas längeren Streckenführung unter öffentlichen Straßen aus.

      Der Zeitdruck kommt von Seiten der Politik, die auf schnellere Umsetzung des Projekts U5 drängt. Das die Hochbahn prüft, ist schon mal gut. Wenn aber die Auswahlkriterien und deren Gewichtung weiterhin so ausgelegt werden, dass alle Alternativen schlechter als die Vorzugsvariante Hartzloh abschneiden, ist diese Prüfung eine Farce. Vergleichen Sie z.B. einmal die Kriterien Anbindung der Einwohner / der Schulen bei Hartzloh West / Mitte / Ost. Hier reichen wenige Meter Entfernung aus, um bei beiden Kriterien einen großen Vorsprung von Hartzloh Ost zu erhalten – wie ist das zu erklären?

      Langenfort liegt genau zwischen Rübenkamp und Habichtstraße, Hartzloh viel näher am Rübenkamp. Neuerschließung von Anwohnern ist bei beiden annähernd gleich, die wichtigen Schulstandorte werden vom Langenfort viel besser erreicht. Baulich extrem viel Platz, keine angrenzende Wohnbebauung.

      Aber politisch nicht gewollt. Bislang ohne nachvollziehbare und belastbare Argumente.

      Hartzlohplatz steht unter Denkmalschutz. Darum hatte die Hochbahn diesen am 19.9. „abgehakt“. Hartzloh West war zu nah an der S-Bahn.

      Wir wollen keine Planung und Vorschläge für die Hochbahn erarbeiten. Die Art und Weise, wie und mit welchen Argumenten die Hochbahn bislang agiert, zwingt uns dazu.

      1. Sehr geehrter Herr Lindenau,

        als langjähriger Bewohner von Barmbek-Nord bin ich selbstverständlich an der Entwicklung dieses Stadtteils interessiert (und damit meine ich durchaus, dass er entwickelt werden sollte, d.h. dass Veränderungen aus meiner Sicht Teil von Entwicklung sind). Aus diesem Grund verfolge ich die Diskussionen um die U5 und um eine Haltestelle so gut ich kann. Ich war bei den Hochbahn-Veranstaltungen im September und am Samstag vergangener Woche dabei. Im Dezember passte es leider nicht.

        Ihrem Kommentar vom 22. Dezember und diesem Beitrag http://lebenswerter.hartzloh.de/hochbahn-veranstaltung-am-18-02-2017-licht-und-schatten#comment-35 entnehme ich, dass die BI die Variante Langenfort favorisiert. In einem Gespräch, dass ich am Samstag mit einem Vertreter der BI geführt habe (ich habe nicht nach seinem Namen gefragt, möglicherweise habe ich tatsächlich mit Ihnen gesprochen), hat dieser jedoch ausdrücklich verneint, dass eine Station Langenfort von der BI bevorzugt wird. Mich irritiert das. Das ist ein Widerspruch. Zudem sollte meiner Meinung auch eine BI, trotz aller verschiedener Meinungen, die auch und gerade in einer BI vorhanden sind (sein müssen), einen klaren Standpunkt nach außen vertreten.

        Vielen herzlichen Dank für Ihre Stellungnahme.

        Mit freundlichen Grüßen
        Holger Norden

        1. Sehr geehrter Herr Norden,

          die Variante Langenfort ist aus Sicht der BI eine Haltestellenlage, die sich aufgrund der vorhandenen Platzverhältnisse für das von der Hochbahn favorisierte Bauverfahren mit komplett offener Bauweise der Stationen geradezu aufdrängt. Unserer Meinung ist diese Variante es wert, weiter betrachtet zu werden. Die von der Hochbahn vorgenommene „Abschichtung“ der Langenfort-Varianten ist aufgrund der gewählten statistischen Methode nicht nachvollziehbar und wird deshalb von uns kritisiert.

          Es kann sehr gut sein, dass wir beide im Gespräch waren. Ich versuche noch einmal klarzustellen: Es gibt mehrere mögliche Haltestellenlagen in Barmbek-Nord, die von der BI als sinnvoll betrachtet werden. Aus unterschiedlichsten Gründen. Dazu gehört der Langenfort (viel Platz, Schulen, zentral an der Fuhle, aber wie Hartzloh bereits zu 50% durch S-Bahn erschlossen) genauso wie beispielsweise die Rümkerstraße (Erschließungslücke in Barmbek-Nord). Es gibt hier viele Möglichkeiten, warum sollen wir uns klar für nur eine Variante positionieren? Jede hat ihre Vor- und Nachteile und Betroffenheiten. Hier muss sehr genau abgewogen werden, dabei sehen wir zunächst die Profis der Hochbahn in der Pflicht. Nur gemeinsam werden wir zur möglichst optimalen Lösung für Barmbek-Nord kommen.

          Was wir generell kritisieren, ist das bevorzugte Bauverfahren der Hochbahn. Hier sollten auch die umwelt- und anwohnerschonenden Alternativen thematisiert werden, anstatt sie unter den Tisch fallen zu lassen. Die Hochbahn hat noch Mitte 2015 für den West-Zweig der U5 die (nahezu) geschlossene Bauweise wie bei den Messehallen/Gänsemarkt als bevorzugtes Bauverfahren propagiert. Auch die Bauweise wie in Barcelona wurde von der Hochbahn betrachtet, aber kein Fazit veröffentlicht. Und bei uns im Hamburger Osten soll es jahrelange Großbaustellen geben, ohne über die Alternativen aufzuklären oder eine verständliche Begründung zu liefern. Das gilt genauso für Bramfeld, Steilshoop und den Rübenkamp. Wir werden genau hinschauen, welches Bauverfahren für Winterhude vorgesehen wird…

          Ich hoffe Ihnen mit dieser Stellungnahme zu diesem komplexen Thema geholfen zu haben. Nun muss ich aber schnell wieder an meine Arbeit. 🙂
          Robert Lindenau

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