Geplanter U-Bahnbau in offener Bauweise im Hartzloh in Hamburg-Barmbek und dadurch zu erwartende erhebliche gesundheitliche Belastungen für die Anwohner während der 4-5 jährigen Bauphase

Die Hamburger Hochbahn plant, in der Straße Hartzloh den Bau einer U-Bahn-Station im Rahmen der geplanten neuen Linie U5 in offener Bauweise. Nach den bisher vorliegenden Informationen reicht die mehr als 20m tiefe Baugrube bis ca. 1 m(!) an die Hauswände der ausschließlichen Wohnbebauung in der Straße Hartzloh heran! Die Bauzeit soll 4 bis 5 Jahre betragen. Während dieser Zeit ist mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität der Anwohner zu rechnen. Durch die zu erwartende Lärm- und Staubbelastung sind vorübergehende und langanhaltende Gesundheitsschäden der Bewohner möglich.

1)Zahlreiche Studien belegen den Einfluss von Lärm auf die körperliche Gesundheit.

In der NORAH Lärmwirkungsstudie(Noise relatde annoynance,cognition and health,2016) konnte aktuell belegt werden, dass Verkehrslärm das Risiko einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eine Herzschwäche zu erleiden deutlich erhöht. NORAH gliedert sich in 5 Teilstudien auf,die sich mit den Auswirkungen von Lärm auf die Lebensqualität,Krankheitsrisiken Blutdruck und Schlafstörungen sowie auf die geistige Entwicklung von Kindern befassen.Der negative Einfluß von Lärm auf de menschlichen Organismus ist vielfach auch in andern Untersuchungen bewiesen.

2)Lärm macht herzkrank und depressiv.

Dies hängt damit zusammen, dass Lärm ein Stressfaktor ist. Er aktiviert das autonome Nervensystem und das hormonelle System. Als Folge kommt es zu Veränderungen bei Blutdruck, Herzfrequenz und anderen Kreislauffaktoren. Der Körper schüttet vermehrt Stresshormone aus, die ihrerseits in Stoffwechselvorgänge des Körpers eingreifen. Die Kreislauf- und Stoffwechselregulierung wird weitgehend unbewusst über das autonome Nervensystem vermittelt. Die autonomen Reaktionen treten deshalb nicht nur tagsüber sondern auch im Schlaf und bei Personen auf, die meinen, sich an Lärm gewöhnt zu haben.

3) Lärm fördert Arteriosklerose(Gefässverkalkungen)

Im Forschungsprojekt „Epidemiologische Untersuchungen zum Einfluss von Lärmstress auf das Immunsystem und die Entstehung von Arteriosklerose“ hat das Umweltbundesamt über 1700 ältere Menschen aus Berlin untersucht. Die Auswertung ergab, dass Menschen in lauten Wohngebieten häufiger wegen Bluthochdrucks in ärztlicher Behandlung waren als diejenigen in weniger lärmbelasteten Gebieten. So hatten Menschen, die nachts vor ihrem Schlafzimmerfenster einen mittleren Schallpegel von 55 dB (A) oder mehr hatten, ein fast doppelt so hohes Risiko wegen Bluthochdrucks in ärztlicher Behandlung seien. Dabei zeigten sich einedutige statistische Zusammenhänge zwischen Lärmbelastung am Wohnort und Beeinträchtigungen des Immunsystems und des Stoffwechsels.Auch die Häufigkeit ärztlicher Behandlungen psychischer Störungen (hier Depressionen)habe einen starken Zusammenhang mit der subjektiv empfundenen Störung durch Lärm gezeigt.

4)Lärm führt zu Schlafstörungen und Herzinfarkten.

Einen Zusammenhang zwischen Umweltlärm, Arbeitslärm und Herzinfarkt hat die Studie „Chronischer Lärm“ als Risikofaktor für den Myokardinfarkt (NaRoMi-Studie) des Umweltbundesamtes ergeben. Die Befragung von 4.100 Patienten und Patientinnen habe ergeben, dass die an Herzinfarkt erkrankten Männer häufiger an lärmbelasteten Straßen gelebt hätten. Männliche Patienten, die in lauten Wohnungen mit einen Tagesmittelungspegel von 65 dB (A) außerhalb der Wohnung gelebt hätten, hätten ein um 20 bis 30 % höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden als Männer aus ruhigeren Gebieten gehabt.

Lärm beeinträchtigt auch den Schlaf. Dies äußert sich in einer veränderten Schlafstruktur, vermehrten Aufwachreaktionen sowie einer stärkeren Ausscheidung von Stresshormonen und erhöhten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen. So hat eine große Europäische Studie statistisch gesicherte Zusammenhänge zwischen der Belastung durch Straßenlärm und der Entwicklung von Bluthochdruck gezeigt. Personen, die verstärkt von Lärm betroffen sind, weisen häufiger höhere Blutdruckwerte auf als Menschen in ruhigeren Wohngebieten. Der Zusammenhang zwischen Lärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich Herzinfarkt ist durch zahlreiche Ergebnisse der Lärmwirkungsforschung belegt. Die Frage ist nicht mehr, ob Lärm krank macht sondern in welchem Ausmaß.Es besteht kein Zweifel, dass während des geplanten offenen U-Bahnbaus am Hartzloh mit erheblichen Lärmbelastungen der Anwohner tagsüber und möglicherweise in geringerem Maße (durch laufende Pumpen etc.) nachts zu rechnen ist.

Die extreme Nähe der Wohnräume zu Baustelle ( 1 Meter) birgt die Gefahr einer jahrelangen hohen Dauerbelastung durch Baulärm, Baufahrzeuge, hydraulische Rammen, Betonmaschinen, Säge- und Rammarbeiten.

Dabei ist hervorzuheben, dass die Lärmbelastungen nicht nur zu vorübergehenden Beeinträchtigungen während der Bauzeit sondern auch zu nachhaltigen dauerhaften Gesundheitsschäden – bei einem nachgewiesenen deutlich erhöhtem Risiko, Herzerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen zu erleiden – führen dürften.

Verzicht auf offenen Bauweise!

Aus diesem Grunde ist die Baumaßnahme in offener Bauweise aus medizinischen und gesundheitlichen Gründen strikt abzulehnen. Eine wie geplant offene Bauweise geht über die berechtigten Interessen der 300 betroffenen Anwohner hinweg.Der U-bahn Bau soll in einer Sinnhaftigkeit was eine Verbesserung der Verkehrsinfratsruktur betrifft nicht in Frage gestellt werden.Allerdings ist über eine mögliche Streckenverlegung in einen Bereich ,der weniger Anwohnerinteressen berührt( in der Nähe gelegene Plätzeetc.), nachzudenken.

Absolut notwendig ist der Verzicht auf die offene Bauweise bzw. eine schnellstmögliche Abdeckung der offenen Baugrube nach Herstellung des Bauschlitzes .

Der U Bahn Bau in seiner jetzigen Planung bedeutet eine massive Einschränkung der Lebensqualität der Anwohner unter Inkaufnahme von vorübergehenden und langanhaltenden Gesundheitsschäden und den Verzicht auf 4-5 Lebensjahre in einer normalen Großstadtumgebung ,da die Nähe zur Baugrube fast einem Wohnen „auf der Baustelle“ gleichkommt.

Auch die Menschen am Hartzloh leben nur einmal – Die offene Bauweise beim U-Bahn bau ist abzulehnen und kann aus den o.g. Gründen von der Hochbahn nicht weiter ernsthaft verfolgt werden !

Dr. Peter Bernhardt Arzt für Innere Medizin/Neurologie und Psychiatrie/Rehamedzin 8.11.16

3 Gedanken zu „Geplanter U-Bahnbau in offener Bauweise im Hartzloh in Hamburg-Barmbek und dadurch zu erwartende erhebliche gesundheitliche Belastungen für die Anwohner während der 4-5 jährigen Bauphase“

  1. Liebe Hartzloh-Bürgerinitiative,

    es wäre für viele Leute, die auf euren Blog stossen schön, wenn ihr ein Nischen mehr Ruhe und Sachlichkeit an den Tag legen würdet.

    Es gibt sehr viele Leute in Hamburg, die richtigem, andauerndem Lärm ausgesetzt sind (ich wohne am ring 2). Auf diese wirkt euer Gezeter wegen der EVENTUELL bei euch stattfindenden Bauarbeiten wie blanker Hohn.

    Beste Grüße.

    1. Lieber Felix,

      wir wollen natürlich kein blanken Hohn ernten, wir wollen vielmehr darauf aufmerksam machen, welche gesundheitlichen Auswirkungen ein solche geplante Großbaustelle hat. Leider werden zunehmend Kosten/Nutzen vor Mensch und Umwelt gestellt.
      Ich habe selber an einer Hauptstrasse gewohnt und wurde morgens von den vorbeifahrenden LKW’s geweckt, habe aber die Befürchtungen, dass diese geplante Bausstelle dies leider um einiges übertreffen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.