Gutachten bestätigt: Kölner Stadtarchiv durch Fehler beim U-Bahn-Bau eingestürzt

Von Klaus Finke

Gerade nimmt die Untersuchung des Einsturzes des Kölner-Stadtarchivs Fahrt auf.

Es scheint durch Bagger- und Betonfehler eine Lücke in der Schlitzwand entstanden zu sein, durch die in wenigen Minuten (!) 5000 Kubikmeter Erde in die Baugrube geflossen sind. Da dreht sich mir der Magen um. Unsere Häuser im Hartzloh stehen ca. 1,5 m neben der geplanten Schlitzwand. Wie lange kann es dauern, bis beim Auspumpen der Grube bemerkt wird, dass diese nicht dicht ist und daher der Grundwasserspiegel sinkt bzw. die Fundamente bereits abfließen?

Sicher gab es in Köln auch ein „erstklassiges Qualitätsmanagement“. Nur war das leider nicht da, als der Pfusch veranstaltet wurde.

Wegen drohender Verjährung hat die Staatsanwaltschaft über hundert Verdächtige ermittelt. Hohe Chefs sind nicht darunter.

Anmerkung von Robert Lindenau: Lesen Sie hierzu meinen Artikel anlässlich des großen „Cave-in“ beim U-Bahn-Bau in Fukuoka zu diesem Thema:
Warum es wichtig ist, beim U-Bahn-Bau Abstand zu Wohngebäuden zu halten

Auszug:

[…] Anders in Köln, wo das Qualitätsmanagement nicht funktionierte. Der Kölner Stadtanzeiger schreibt:

Beim Einsturz am 3. März 2009 starben zwei junge Männer. Es entstand ein Sachschaden, der auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt wird. Wenngleich die Folgen der Katastrophe schnell klar waren, dauert die Suche nach den Schuldigen auch heute noch an. Fehlerhafte Bodenuntersuchungen, illegale Brunnen, leichtsinnig und zu viel abgepumptes Wasser, falsche Bauprotokolle und fehlende Kontrollen: Es gibt vieles, was beim Bau der U-Bahn-Grube Waidmarkt falsch gelaufen sein soll.

Quellen:

http://www.ksta.de/koeln/koelner-stadtarchiv-baupfusch-fuehrte-zum-einsturz—staatsanwaltschaft-prueft-anklage-26882014

http://www.ksta.de/koeln/koelner-stadtarchiv-die-fehlerkette–die-zur-katastrophe-gefuehrt-haben-soll-25654982

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/koeln-stadtarchiv-wegen-fehler-beim-u-bahn-bau-eingestuerzt-a-1147224.html

Ein Gedanke zu „Gutachten bestätigt: Kölner Stadtarchiv durch Fehler beim U-Bahn-Bau eingestürzt“

  1. … und wenn man dann im Kölner Stadt-Anzeiger liest (siehe Link im Artikel):

    „[…]Aber es gilt als wahrscheinlich, dass die am Bau der Schlitzwand beteiligten Arbeiter mit einer Anklage rechnen müssen. Denkbar ist auch, dass die für die Überwachung der Baustelle Verantwortlichen belangt werden. Dies jedoch war ein kompliziertes Konstrukt aus Mitarbeitern der KVB, der Unternehmen und der Technischen Aufsichtsbehörde des Landes NRW.“ […]

    …dann wird einem richtig übel! Arbeiter werden angeklagt, aber Projektverantwortliche und Aufsichtsbehörden nur eventuell?! Was bedeutet: „Verantwortung“? Was bedeutet: „Aufsicht“?

    In erster Linie hat die Regierung der Stadt eine Führsorgepflicht gegenüber den Bürgern. Und als Auftraggeber des U-Bahn-Projekts eine Verantwortung gegenüber den Bürgern. Wenn die Auftragsausführung ein „kompliziertes Konstrukt“ ist, muss dies der Auftraggeber mit dem Auftragnehmer klären. Und vorher die Geschädigten entschädigen! Umgehend!

    Da genau dies in Köln nicht geschieht und in Hamburg nicht geschehen wird: Kein Vertrauen in den Senat! Kein Vertrauen in die Hochbahn! Das ist so traurig.

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