Nutzen der U5 in Barmbek-Nord weiterhin fraglich

Beim gestrigen BI Treffen informierten Herr Ernst, Herr Boneß und Herr Hinrichsen von der Hochbahn im bereits vorweihnachtlich dekorierten Gemeindesaal über den aktuellen Planungsstand in Sachen U5 Barmbek Nord. Danke an alle Anwesenden, dass sie die Emotionen nicht hochkochen ließen, so dass ein konstruktiver Dialog möglich war.

Alle Fragen zu den Kriterien und Gründen, die zur Vorentscheidung für den Hartzlohplatz bei der Südvariante geführt haben, sollen erst auf der Infoveranstaltung der Hochbahn am 13. Dezember bekanntgegeben werden. Das von SPD und Grünen und der Hochbahn gesteckte „städtebauliche Ziel“ haben die Hochbahner auch gestern nicht mit Inhalt gefüllt. Schade!

Fest steht: Die Nordvariante ist wesentlich schneller, kürzer und preiswerter. Die Südvariante hängt nur von der Entscheidung ab, ob es einen nur teuer und unbequem zu ermöglichenden Umsteigepunkt von der U5 zur S1 am Rübenkamp geben soll oder nicht. Ohne diese Station ist die Barmbeker Beule sinnlos. Da die errechneten Umsteigezahlen deutlich hinter den erhofften Zahlen zurückbleiben, ist dieses aus unserer Sicht der Fall. Wenn sich die Politik dennoch für diese Variante entscheidet, so halten wir dieses für eine Verschwendung von Steuergeldern und eine Entscheidung aus persönlicher Willkür. Das hat dann nichts mehr mit der Findung einer optimalen Haltestelle für Barmbek-Nord aus verkehrlichen Gesichtspunkten zu tun.

Die Presseinformation der Hochbahn lässt erkennen, dass es sich bei der Variante „Hartzlohplatz“ um eine politische handelt: „Gleichzeitig können die städtebaulichen Ziele mit dieser Haltestellenlage gut erfüllt werden.“ Auf dem Blog der Hochbahn geht man sogar so weit zu schreiben: „Das entscheidende Kriterium: Welche Haltestelle schafft den größten Nutzen für Barmbek-Nord.“ Beides sind unbegründete bezirkspolitische Gründe.

Barmbek-Nord war niemals erklärtes Ziel der U5. Weil der Rübenkamp nur mit der Barmbeker Beule angefahren werden kann, kam überhaupt eine Haltestelle in Barmbek-Nord in Betracht. Wenn unsere Bezirkspolitiker diese nun einfordern, sollen sie bitte auch begründen, warum diese teure Lösung für Barmbek-Nord so wichtig ist. Doch dazu schweigen sie stille. Die Gründe der Politiker sind also nicht für die Ohren der Bürger bestimmt.

Hartzlohplatz wäre nun die einzige Station der U5 von Bramfeld bis zum Hauptbahnhof, deren Sinn für die Anwohner sehr zweifelhaft ist, deren Bau in einer gewachsenen Wohngegend nicht nur die Anwohner stark belastet, sondern auch unwiderruflich wertvollen Baumbestand vernichtet und für die der Denkmalschutz für den Hartzlohplatz zuerst aufgehoben werden muss. Ungeklärt ist bisher, wie die jahrelangen Baustellenverkehre abgewickelt werden sollen, wo die benötigte sehr große Baustelleneinrichtungsfläche entstehen soll, und welcher Oberflächenzustand schließlich erreicht werden soll. Sinnvoll wäre ein Leitsystem, um Ortsfremde von und zu der versteckt gelegenen Station zu führen.

Wir erwarten, dass die geplante Veranstaltung nachvollziehbare Argumente und Antworten auf die vielen offenen Fragen liefern wird. Der Bezirk Nord hat diesmal endlich auch Senatsvertreter zur Anwesenheit aufgefordert!

Wir fordern, dass unsere politischen Vertreter von SPD und Grünen im Bezirk diesmal vor Ort in offizieller Mission anwesend sind. Auf dem Weg zur Helmuth Hübener Schule können sie sich dann gleich ein eigenes Bild von der gewünschten Haltestellenlage in Barmbek-Nord machen. Vielleicht sorgt das bei einigen für einen Aha-Effekt.

5 Gedanken zu „Nutzen der U5 in Barmbek-Nord weiterhin fraglich“

  1. Ich habe mir einmal erlaubt auf dem Hochbahn-Blog wie folgt zu kommentieren:

    Moin,

    „Im nächsten Schritt soll dann – noch vor Weihnachten – die finale Entscheidung darüber fallen, welche Haltestelle gewinnt: Hartzlohplatz oder Nordheimstraße.“

    Na es geht darum wie der Mensch ‚gewinnt‘ – alleine schon ‚gewinnt‘ im Bezug auf eine ganz schlechte Haltestelle (Südroute) und eine durchaus akzeptierbarere, weil auch deutlich kostengünstigere (Nordroute) ist begrifflich schlecht gewählt.

    Auf den ersten Blick scheint der Lenkungsausschuss sich nicht von den Verwirrungen der Bezirksversammlung HH-Nord beeindrucken zu lassen und an ihrer vom Hamburger Senat vorgegebenen Leitlinie festzuhalten, doch warten wir hoffnungsvoll ab, ob sich die Vernunft durchsetzt.

    Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass die Hochbahn ihre Verantwortung und das vom Senat vorgegebene verantwortungsvoll, im Sinne der Sache, bestmöglich umsetzt.

    Es wäre doch extreme Steuergeldverschwendung, wenn der Wähler 2020 den jetzigen Senat abstraft und dann ggf. das Jahrhundertprojekt wiedermal ad acta gelegt wird.

  2. Moin,

    ich noch einmal… leider habe ich den Link aktuell nicht zur Hand, aber diese Aussage ist leider FALSCH „Barmbek-Nord war niemals erklärtes Ziel der U5.“

    Der Auftrag des Senates an die Hochbahn war ausdrücklich eine Verbindung von Bramfeld, Steilshop über ‚Barmbek-Nord (undifiniert) zur Sengelmannstraße.

    Mir ist etwas schleierhaft was die Veranstaltungen am 13. und 14.12.17 nun sollen, oder sollte tatsächlich der ‚Bürgerwille‘ noch ein Gewicht haben? Falls ja so erscheint so zahlreich es nur geht!

    Liebe Grüße

    Heino

    1. Moin Heino!

      Beide Aussagen sind richtig. Die U5 wurde konzipiert, um herausgearbeitete Potentialgebiete anzuschließen. Für den Ost-Ast der u5 waren das die Potentialgebiete Bramfeld/Steilshoop, City Nord und Uhlenhorst/Winterhude (siehe Seite 6, Konzeptstudie zur U-Bahn-Netzerweiterung Akte_745.3410-036). Barmbek-Nord wurde dann in den folgenden Planungsschritten mitgenommen, da es unterfahren werden musste, um den geplanten Umsteigebahnhof Rübenkamp anzufahren („Barmbeker Beule“). Die Ausarbeitung dieser Planung wurde dann vom Senat beauftragt.

      Barmbek-Nord wurde also nachträglich zum Potentialgebiet erklärt, obwohl der Stadtteil bereits mit zwei U-Bahn- und drei S-Bahn-Stationen angebunden ist. Eine belastbare Begründung dafür fehlt bis heute.

      Eine Erschließungslücke findet man nur an der Bezirksgrenze im Bereich der Runge- bzw. der Rümkerstraße. Das haben wir frühzeitig aufgezeigt, dort soll aber keine Haltestelle hinkommen.

      Welches Potential eine Haltestelle an der Nordheimstraße gegenüber zwei Haltestellen am Hartzlohplatz und Rübenkamp hat, werden wir am 13. Dezember erfahren. Laut Aussage der Hochbahn können Meinungen und Anregungen der Bürger tatsächlich noch Einfluss auf die am 21. Dezember anstehende finale Entscheidung des U5-Lenkungskreises haben. Ich möchte daran glauben.

      Liebe Grüße
      Robert

  3. Ich bin der Bürgerinitiative sehr dankbar, dass sie mit ihrem engagierten und unermüdlichen Einsatz den Bau einer U-Bahn-Station in der Straße Hartzloh verhindert hat.
    Mit der Entscheidung im Lenkungskreis, dass die Wahl zwischen einer möglichen Haltestelle Hartzlohplatz oder Nordheimstraße fallen soll, ist genau das erreicht. Und ich dachte, damit ist gut.
    Nun musste ich aber feststellen, dass es eben doch nicht gut ist. Die Bürgerinitiative hat immer noch Bedenken. Und hier stößt mein Verständnis auf Grenzen.
    Die Bürgerinitiative argumentiert, dass niemand in Barmbek-Nord eine U-Bahn braucht, alle mit dem Bus fahren könnten und zwei S-Bahn-Stationen gut zu erreichen sind. Das sind subjektive Eindrücke, die als wirkliche Argumente nicht ausreichen.
    Die Bürgerinitiative argumentiert, dass die Linienführung über die Nordheimstraße kürzer und somit billiger ist. Gleichzeitig schlägt sie als alternative Standorte für eine Haltestelle Hartzloh eine Haltestelle Langenfort und Rümkerstraße vor. Beide Alternativen wären länger, somit teurer und die Fahrzeit würde sich verlängern. Da widerspricht sich die Argumentation.
    Die Bürgerinitiative hat Bedenken gegen das Schildvortriebverfahren. Die Bürgerinitiative versteht die Begründung „städtebauliche Ziele“ nicht.
    Ich habe den Eindruck, dass die Bürgerinitiative für neue Vorschläge nicht wirklich bereit ist.

    1. Wir haben uns als Bürgerinitiative von Anfang an darauf verständigt, dass wir uns für keinen bestimmten Standort einsetzen. Als Ziel haben wir formuliert, dass die U5 möglichst unter großen Straßen und öffentlichen Freiflächen, mit größtmöglichem Abstand zur Wohnbebauung geplant wird. Umwelt- und Sozialverträglichkeit müssen dabei gewährleistet sein. Davon werden wir jetzt nicht abrücken.

      Es ist ein Faktum, dass im Bereich des Hartzloh der gesamte Bereich westlich der Fuhle bereits durch die S-Bahn erschlossen ist. Barmbek-Nord ist keines der Potentialgebiete, die zu Beginn der U5-Planungen ausgemacht wurden. Wir haben aufgezeigt, dass eine Erschließungslücke an der Bezirksgrenze im Bereich der Runge- bzw. Rümkerstraße existiert. Die Hochbahn hat hier die Verantwortung, die bestmögliche Lösung zu finden.

      Nord- und Südvariante sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe: Die Barmbeker Beule muss zwangsläufig gefahren werden, falls es sinnvoll ist, einen Umsteigebahnhof am Rübenkamp zu erreichen. Das kostet dann etwa 200 Millionen Euro mehr als die Nordvariante. Aufgrund der Erkenntnisse aus den Untersuchungen der Hochbahn muss der Lenkungskreis entscheiden, ob der Rübenkamp diese Investition wert ist.

      Wenn man die Südvariante isoliert betrachtet, haben wir angesichts eines 1,2km langen Umwegs tatsächlich eine nochmal 300m längere Streckenführung über den Langenfort zur Diskussion gestellt. Neben der offensichtlichen bauzeitlichen Vorteile (siehe unsere Ziele oben) hat dieser Standort weitere Vorteile gegenüber dem Standort Hartzloh: Die Schulen werden viel besser angeschlossen, 2000 Menschen mehr wohnen im Einzugsgebiet. Wir halten dafür 300m mehr Strecke für vertretbar, die Hochbahn nicht. Wenn der Umstieg am Rübenkamp die Mehrkosten jedoch nicht rechtfertigt, sehe ich kein Argument, dass einen teuren Umweg rechtfertigt.

      Das Schildvortriebsverfahren gilt als sicheres, setzungsarmes Bauverfahren. Solange es ein Restrisiko gibt, sollte dies mit in eine Abwägung einfließen. Eine Alternative zu diesem Bauverfahren sehe ich nicht, es bleibt nur die Optimierung der Streckenführung („unter großen Straßen“). Dies scheint im weiteren Planungsverlauf gerade zu geschehen.

      Was die vom Bezirk genannten „städtebaulichen Ziele“ angeht, so scheint jeder zu wissen, was damit in Barmbek-Nord gemeint ist – aber niemand will es aussprechen. Wenn Sie die Ziele kennen, nur her damit.

      Die Bürgerinitiative ist fundierten Argumenten gegenüber sehr offen und fordert diese seit fast zwei Jahren. Neue Vorschläge hat die Bürgerinitiative sehr viele gemacht, in unterschiedlichen Bereichen der Planung. Alle neuen Vorschläge der Hochbahn haben wir ausführlich diskutiert, den neuen Vorschlag „Nordvariante“ begrüßen wir als augenscheinlich sehr Nutzen-Kosten-Effektiv und sind gespannt auf die Untersuchungsergebnisse, die die Hochbahn am 13. Dezember präsentieren will.

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