Offener Brief an Thomas Domres

Herrn
Thomas Domres
Fraktionsvorsitzender
SPD-Bezirksfraktion Hamburg-Nord

Martinistraße 31/33
20251 Hamburg

25.10.2017

Planung der U5: Keine Vor-Festlegung durch den Bezirk Nord

Sehr geehrter Herr Domres,

Mit Unverständnis haben wir von Ihrem „Friedensangebot an die Anwohner“ in der aktuellen Ausgabe des Wochenblatts gelesen. Weder die Bürgerinitiative für einen lebenswerten Hartzloh noch andere Anwohner im Viertel befinden sich im „Kriegszustand“ mit der Politik oder der Hochbahn. WIr versuchen im Gegenteil seit 2016 intensiv, mit Politik und Hochbahn ins Gespräch zu kommen. Mit konstruktiven Ideen und belegbaren Argumenten haben wir unsere Sichtweise in die Planung eingebracht – das war auch für die Hochbahn nicht immer einfach. Von politischer Seite wurden unsere Anregungen und Kritikpunkte jedoch stets mit Verweis auf die mit der Planung beauftragte Hochbahn abgewiesen.

Als Vorsitzender der SPD-Bezirksfraktion Nord favorisieren Sie eine U5-Haltestellenlage Hartzloh-West für ­Barmbek-Nord, die nach Hartzloh-Ost die geringste Neuerschließung aller bisher untersuchten Alternativen hat. Es geht Ihnen also nicht darum, so viele Menschen wie möglich mit der U5 anzuschließen. Stattdessen scheint es lokalpolitischer Wille zu sein, genau an dieser Stelle der Fuhlsbüttler Straße ein angebliches – vom Bezirksamt verortetes – „Zentrum von Barmbek-Nord“ aufzuwerten. Wir fordern seit September 2016 eine fundierte Begründung für diese von politischer Seite geäußerte Behauptung, bislang leider ohne belastbare Antworten. Daher müssen wir dieses Argument als unbegründet und unwichtig ansehen – als lokalpolitischen Wunsch.

Der Bau einer neuen U-Bahn-Linie wie der U5 ist ein teures und für Hamburg nicht einfach zu stemmendes Jahrhundertprojekt. Ziel muss es darum sein, die Finanzierung sicherzustellen und möglichst viele Hamburger im wahrsten Sinne des Wortes mitzunehmen. Es nützt niemandem, wenn die Berücksichtigung von Regional­interessen zu einer negativen Nutzen-Kosten-Untersuchung führt – die U5 darf nicht scheitern!

Da Sie nicht im Stadtteil wohnen und auch offensichtlich die Ortsverhältnisse nicht kennen, empfehlen wir Ihnen dringend, den Hartzloh an einem Samstag Vormittag zu besuchen und zu begreifen, was die Grün- und Sozialachse Hartzloh für unseren Stadtteil bedeutet. Von Kirche, Kita und Bürgerhaus in der Wohngegend auf der Ostseite der Fuhle bis zum Wochenmarkt mit Café und Spielplatz als sozialem Treffpunkt auf der Westseite. Lesen Sie hierzu ergänzend gerne unsere Petition auf change.org und die zahlreichen dort hinterlegten Kommentare besorgter Anwohner und Bürger, denen etwas an unserem Viertel liegt. Unser Wochenmarkt hält genau an dieser Stelle unser Viertel mit Neu- und Alt-Barmbekern zusammen. Fragen Sie die Menschen hier, was ihnen wichtig ist, und die häufigste Antwort wird sein: „Unseren Markt geben wir nicht her!“

Die Bürgerinitiative für einen lebenswerten Hartzloh setzt sich für eine optimale Trassenführung und Halte­stellenlagen ein – unter der vom Senat vorgegebenen Prämisse, dass der Bau der U5 möglichst oberflächen-, menschen- und umweltschonend umgesetzt werden muss. Da Barmbek-Nord im Bereich Hartzloh bereits durch zwei S-Bahn-Stationen sowie drei Buslinien viel besser erschlossen ist als andere Gebiete, sehen wir die vordringliche Aufgabe der U5 darin, die Bramfelder und Steilshooper endlich ans Schnellbahnnetz anzubinden. Da die Betonung dabei auf „Schnell“ liegt, und nicht alle Streckenführungen U-Bahn-würdig sind, müssen Umwege sehr gut begründet werden!

Die aktuell untersuchte Nordvariante – die SPD und Grüne im Bezirk Nord bereits vor Abschluss der Unter­suchungen ablehnen – ist rund 1,2 km kürzer als eine Trasse über den Hartzloh, spart rund 200 Millionen Euro Baukosten, verkürzt die Fahrzeiten und Betriebskosten. Barmbek-Nord wird mit einer möglichen Station in der Nordheimstraße bis zum Hartzloh erschlossen, in nördlicher Richtung wird das südliche Ohlsdorf und Teile von Steilshoop erschlossen. Da Ohlsdorf zum Bezirk Nord gehört, sollte eine Neuerschließung auch an dieser Stelle von der Bezirksversammlung Nord begrüßt und nicht pauschal abgelehnt werden. Vor allem sollten erst einmal alle Fakten und Untersuchungsergebnisse auf den Tisch, bevor einseitig ein Vor-Urteil gefällt wird.

Herr Domres, als Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bezirk Nord wissen Sie selbstverständlich, dass die Bezirksversammlung der BWVI gegenüber eine Empfehlung aussprechen kann. Als verantwortungsvoller Bezirks­politiker werden Sie dafür Sorge tragen, eine solche Empfehlung nur fundiert auszusprechen. Der Antrag, den Sie am 7.11.2017 im Hauptausschuss einbringen wollen, bedeutet: Die Bezirksversammlung Nord soll sich ohne ausreichenden Kenntnisstand für eine U5-Haltestelle entlang der Südvariante und somit gegen eine Nord­variante – gegen eine gemeinsame Haltestelle für Barmbek-Nord und Ohlsdorf – aussprechen. Das ist nicht vermittelbar.

Wir appellieren daher an Sie, zunächst die Planungsergebnisse zur Nordvariante abzuwarten und erst nach Abwägung aller Untersuchungsergebnisse gegebenenfalls eine Empfehlung an die BWVI zu formulieren.

Mit freundlichen Grüßen
Bürgerinitiative für einen lebenswerten Hartzloh

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