SPD und GRÜNE und die U-Bahn an der Fuhle: U3 statt U5

SPD und Grüne haben am 18.01.2018 in der Bezirksversammlung einen neuen Antrag eingebracht und beschlossen. Nachdem die zuvor geforderte Südvariante der U5 vom Lenkungskreis abgelehnt wurde, besinnt man sich auf die Ergebnisse der Konzeptstudie aus 2014. Damals wurde auch die Möglichkeit betrachtet, eine zusätzliche Haltestelle der U3 an der Fuhlsbüttler Straße zu bauen. Diese Idee soll nun wieder aufgegriffen werden, um „diese andere Option zur Anbindung des zentralen Barmbek-Nords an das Schnellbahnnetz zu prüfen.“

Schutzgüter Mensch und Umwelt sind politisch nicht relevant?

Fast der gesamte Absatz aus der Konzeptstudie wird als positive Aussage zitiert – ausgelassen wurden alle negativen Punkte, die jedoch für ein vollständiges Bild wichtig sind:

  • Diese Haltestelle erzeugt „umfangreiche Doppelerschließungen mit den angrenzenden Haltestellen Habichtstraße, Alte Wöhr und U/S Barmbek.“ Ohne diese wichtige Information könnte der Eindruck entstehen, Barmbek-Nord wäre mit Schnellbahnanschlüssen unterversorgt. Eine zusätzliche Haltestelle kann natürlich sinnvoll sein, aber die von Martina Koeppen, verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion, erhofften „viele weitere 10.000 Menschen“ die eine Haltestelle an dieser Stelle erreichen soll, sind leider nicht realistisch.
  • Die bauliche Machbarkeit scheint gegeben, „ist aber aufgrund der räumlichen Nähe zur Wohnbebauung und des vorhandenen Baumbestands mit Risiken hinsichtlich der Schutzgüter Mensch (Einhaltung Lärmschutz) und Umwelt verbunden.“
  • Und weiter: „Es wird daher empfohlen, die Realisierung einer Haltestelle Fuhlsbüttler Straße zunächst nicht weiter zu verfolgen.“

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Bürgerinitiative für einen lebenswerten Hartzloh ist für den Ausbau des ÖPNV. Es war vorhersehbar, dass die Idee der U3-Haltestelle an der Fuhle irgendwann wieder aufgegriffen wird. Im Vergleich zur ursprünglichen U5-Planung im Hartzloh erscheinen die dort notwendigen Belastungen in der Bauphase gering, absolut betrachtet jedoch bestimmt nicht einfach für die Anwohner. Hier müssen aber vertiefende Planungen abgewartet werden, um eine fundierte Bewertung abgeben zu können.

Der Schutz von Mensch und Umwelt gehört leider zu den Aspekten, die von SPD und Grüne im Bezirk eher abschätzig betrachtet werden. Wir mussten sehr viel Aufklärungsarbeit leisten, bis SPD und Grüne im Bezirk Nord nach sehr langer Befürwortung letzten Endes doch den Bau einer U5-Station im Hartzloh als zu belastend abgelehnt haben. Aber wirklich wichtig scheinen für die rot-grünen Bezirkspolitiker nur unbenannte „städtebauliche Gründe“ zu sein, so dass es weiterhin bei den Bürgern liegt, ihre Interessen selber im Auge zu behalten und zu vertreten, um nicht als Bauernopfer in einem politischen Spiel mit Investoreninteressen zu enden.

Das Barmbeker Wanderzentrum

Zwei Dinge wollen SPD und Grüne mit Ihrem neuen Antrag erreichen, einer davon ist eine bessere Anbindung von Barmbek-Nord. Für die Politiker gehört dazu immer die Anbindung des Stadtteilzentrums an die U-Bahn. Dieses befand sich nach dem Glauben vieler Einheimischer rund um den Barmbeker Bahnhof, wurde jedoch von Rot-Grün just dort verortet, wo die U5 hin sollte: nördlich der Ringbrücke am Hartzloh. Christopher Leineweber, für die SPD im Bezirk Nord unter anderem im Stadtentwicklungsausschuss tätig, bedauerte nach der Entscheidung für die Nordvariante auf der Facebookseite der Hochbahn, dass die „einmalige Chance das Zentrum von Barmbek-Nord an das U-Bahnnetz anzuschließen“ vertan wurde. Dieses Zentrum liege „rund ums Bürgerhaus“ im Hartzloh. Diese Ansicht teilen SPD und Grüne in ihrem Antrag, betrachten aber nun die Fuhle als „zentrale Achse“ von Barmbek-Nord. Entlang dieser Achse lässt sich nämlich einen Kilometer südlich des Hartzloh ein neues Zentrum entdecken, diesmal an der U3-Brücke über die Fuhle – Barmbek-Nord hat demnach ein politisches Wanderzentrum: Es liegt immer genau dort, wo es gerade benötigt wird.

Die Frage der Kompetenz

Das zweite Ziel des Antrags lautet, den Bau der U5 sicherzustellen. Dafür sind Zuschüsse vom Bund nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) notwendig, die etwa die Hälfte der Baukosten abdecken sollen. Die Vorgaben für diese Förderung werden jedoch als „Fehlgewichtung“ kritisiert, weil die Neuerschließung angeblich nicht hoch genug gewichtet würde. Diese Kritik ist nicht nachvollziehbar, da SPD und Grüne im Bezirk immer die Haltestellenlagen mit den schlechtesten Erschließungszahlen gefordert hatten: zuerst die Vorzugsvariante Hartzloh-Ost, später die von der SPD im Oktober als „Friedensangebot“ an die Bürger vorgeschlagene Alternative Hartzloh-West mit der geringsten Neuerschließung aller Varianten. Die letztlich vom Lenkungskreis ausgewählte Haltestelle Nordheimstraße hat im Vergleich zu Hartzloh-Ost eine um 25% höhere Neuerschließung und eine um 65% niedrigere unerwünschte Doppelerschließung. SPD und Grüne im Bezirk sollten wissen, dass schlechte Erschließungszahlen die Förderfähigkeit und somit die gesamte U5 gefährden.

Die Antragsteller kritisieren, dass „sich der Lenkungskreis entgegen der fachlichen und politischen Einschätzung der Bezirksämter Wandsbek und Hamburg-Nord sowie der Bezirksversammlung Hamburg-Nord und unter Vernachlässigung der stadtentwicklungspolitischen Bedeutung einer Station mitten in Barmbek-Nord im Rahmen der Planung zur U5 gegen einen Halt „Hartzlohplatz“ entschlossen hat“, wie es im Antrag heißt. Hier wird also ohne fundierte Begründung dem U5-Lenkungskreis von politischer Seite die Kompetenz abgesprochen, obwohl gerade die Entscheidung des Lenkungskreises für die Nordvariante maßgeblich dazu beigetragen hat, die Finanzierung und somit den Bau der U5 sicherzustellen.

In einer Stellungnahme der BWVI zum vorherigen Antrag von SPD und Grüne, die eine Südvariante zur Not auch ohne den Umsteigebahnhof Rübenkamp forderten, musste die Behörde das Offensichtliche klarstellen: „Die Umsteigemöglichkeit an der Haltestelle Rübenkamp ist ein bedeutendes Argument für die Südvariante und daher für diese fest vorgesehen.“ Denn die Barmbeker Beule wird nur für den Weg zum Rübenkamp benötigt. Die Umsteigezahlen am Rübenkamp wurden jedoch mit nur 3.460 Umsteigern werktäglich prognostiziert, im Vergleich zu 15.130 Umsteigern an der Sengelmannstraße. Dass diese Umsteigerzahlen nicht U-Bahn-würdig sind und schon gar nicht ein Drittel der Gesamtbaukosten der U5-Ost wert sind, sollte eigentlich auch den Antragstellern einleuchten.

Die Belange der Menschen und die politische Realität

Es spricht überhaupt nichts dagegen, den Bau einer zusätzlichen U3-Haltestelle zu prüfen. Es spricht wenig dafür, die Hochbahn daran zu erinnern, an der Nordheimstraße die Ausgänge auf der Fuhle-Seite nicht zu vergessen. Es spricht nicht für die Antragsteller, Fachleute zu diskreditieren und eigene fachliche Kompetenz vorzuschützen. SPD und Grüne im Bezirk haben die vom Bau der U5 betroffenen Menschen nie ernst genommen, nie unterstützt, waren nicht diskussionsbereit und haben nur eigene verschleierte Interessen vertreten – das werden die Menschen nicht vergessen.

Wenn nun die U3-Haltestelle an der Fuhle geprüft wird, bleibt zu hoffen, dass die Hochbahn den Schutz der Anwohner und der Umwelt beim Bau und im Betrieb bestmöglich berücksichtigt. Die Bedenken der Hochbahn von 2014 verschwinden nicht, nur weil diese im Antrag von SPD und Grüne verschwiegen werden. Eine solche politische Haltung ist schon lange nicht mehr zeitgemäß.

4 Gedanken zu „SPD und GRÜNE und die U-Bahn an der Fuhle: U3 statt U5“

  1. Der Gedanke einer „neuen“ Haltestelle der U3 rührt bestimmt daher, dass dort ein mega großer Gewerbe Immobilien Komplex mit ca. 4-7 Stockwerken um die ganze Ecke herum an der Hellbrookstr. des ehemaligen Flachbaus, wo „Blume 2000“ war, erbaut wird!
    Geschweige denn von dem Hotel am Bahnhof, was aus politischer Sicht dann auch besser erschlossen werden kann.

  2. Sehr geehrter Herr Lindenau,

    sich mit ÖPNV Fragen in Hamburg zu beschäftigen, scheint eine Lebensaufgabe von Ihnen zu sein, dass ehrt Sie. Zumal Sie ja erfolgreich gegen eine wichtige Haltestelle im Bereich Hartzloh interveniert haben.
    Mit Erstaunen lese ich nun, dass Ihre „Fachexpertise“ nicht nur für den Hartzloh gilt, nein, sie gilt anscheinend für ganz Barmbek.

    Ich gehöre zu denjenigen Personen die mit dem Bus, also der 7er oder 172er Reihe, jeden Morgen zum Barmbek Bahnhof fahren. Und wissen Sie was, ich gucke schon gar nicht mehr auf irgendwelche Pläne, weil sie bezüglich der Pünktlichkeit eh Makulatur sind. Zugegeben, dafür können Sie nichts, aber ich teile absolut nicht Ihre Auffassung, dass Barmbek, insbesondere die Fuhlsbüttler Straße gut Angebunden sind.
    Wenn ich so Ihrer Argumentation folge, die Sie seit der Gründung Ihrer Bürgerinitiative propagieren, kann ich ja jeden Tag zu Fuß zum Bahnhof Barmbek laufen, oder mich Bemühen den Bahnhof Alte Wöhr, Saarlandstraße…aufzusuchen. Das kann nicht wirklich Ihr ernst sein.
    Der ganze Mittelteil der Fuhlsbüttler Straße ist überhaupt nicht angebunden und muss auf eine „Steinzeitliche“ Busverbindung zurückgreifen. Hauptsache Bäume sind geschützt.
    Wie wäre es, wenn Sie Ihren Erfolg im stillen Kämmerlein feiern und den Rest der Barmbekerinnen und Barmbeker in Ruhe lassen?
    Ich denk es ist eine wirklich gute Idee die U3 ggf. bis zum Hardorffsweg zu verlängern.

    Mit freundlichen Grüßen.

    1. Sehr geehrter Herr von Blomberg!

      Meiner Meinung nach ist der Ausbau des ÖPNV in Hamburg in den letzten vierzig Jahren sträflich vernachlässigt worden zugunsten einer „Autostadt“ – die Stauberichte im Radio bestätigen dies allmorgendlich. Ob die von der jetzigen Regierung bevorzugte Konzentration auf Busbeschleunigung und U-Bahn-Ausbau der Weisheit letzter Schluss ist, bezweifle ich. Wenn jedoch ein Bauverfahren aus Kostengründen gewählt wird, dass beispiellose erhebliche bauzeitliche Auswirkungen auf eine Wohngegend hat, ist es nicht nur in meinen Augen legitim, diese Planung in Frage zu stellen. Das begreife ich weder als „Lebensaufgabe“, noch maße ich mir eine „Fachexpertise“ an.

      Der von Ihnen kritisierte Artikel zielt einzig auf die egozentrische Auseinandersetzung mancher Bezirkspolitiker mit dem U-Bahn-Netzausbau, die argumentativ und inhaltlich größtenteils nicht nachvollziehbar ist. Mit Wunschdenken und Geld-spielt-keine-Rolle-Mentalität ist eine seriöse Planung jedoch nicht machbar, kann sogar ein Projekt wie die U5 gefährden. Es hilft auch nicht, wenn unliebsame Fakten unterschlagen werden. Wenn eine U-Bahn-Haltestelle an der Fuhle gewünscht wird, muss ein vernünftiges und verträgliches Konzept auf den Tisch. Im Bereich des Hartzloh hätte es Alternativen gegeben, die aber kein Politiker wollte. Letztlich wären diese Alternativen jedoch auch an der Finanzierung gescheitert, die Hintergründe haben wir geschildert.

      Im Fall der U3/Fuhle müssen sich die Politiker der Realität stellen, dass dieser Standort meines Wissens nach nicht nach dem GVFG förderfähig ist, da dieser Standort durch die umliegenden Schnellbahnstationen als „erschlossen“ gilt. Es ist darum unseriös, von zehntausenden Menschen zu sprechen, die angeschlossen würden. Stattdessen müsste darüber diskutiert werden, welchen Nutzen dieser Standort für Barmbek hätte und wie eine Haltestelle umgesetzt und finanziert werden könnte. So, wie es aktuell von politischer Seite angegangen wurde, sieht es mehr nach Säbelrasseln aus. Mir fehlt Ernsthaftigkeit und der Wille, hier wirklich verkehrspolitisch etwas zu bewegen. Die Idee ist ja nicht neu, aber bei weitem nicht so vordringlich wie der Anschluss von Bramfeld und Steilshoop. Verglichen mit den beiden Stadtteilen empfinde ich Barmbek-Nord tatsächlich als privilegiert. Besser machen kann man es immer.

      Nicht nur die BarmbekerInnen, sondern alle Hamburger haben es verdient, dass unsere politischen Vertreter ihr bestes geben, um Hamburg lebenswerter zu machen. Wenn ich den Eindruck habe, dass dieses Ziel zu kurz kommt, werde ich mich gegebenenfalls dazu äußern. Je mehr Menschen dies ernsthaft tun, desto zielführender wird es.

      Ich kann Sie nur dazu ermuntern, sich für Ihre Idee einer Verlängerung der U3 einzusetzen. Zeigen Sie den Menschen und der Politik, warum Ihre Idee sinnvoll ist. Wenn Sie eine Resonanz erhalten, können auch Sie etwas bewegen.

    2. Ich schaue übrigens auch nur noch selten auf den Fahrplan, wozu auch: länger als 5 Minuten muss man werktäglich nämlich nur selten warten, bis der Bus kommt, auch wenn der Takt sicherlich dichter sein könnte. Entgegen Ihrer Wahrnehmung kann ich eine gravierende Unpünktlichkeit zumindest außerhalb der Rushhour-Zeiten nicht bestätigen; während der Rushhour ist es leider wie überall, wo keine Busspur zur Verfügung steht, hier wäre eine Verdichtung des Bustaktes unbedingt wünschenswert; ergänzend möglicherweise eine Verkehrsberuhigung, Ausbau des Radwegenetzes und eine alternative Verkehrsführung für den verbleibenden Individualverkehr, zumindest mittelfristig.

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